Merkblatt zur autoimmunhämolytischen Anämie (AIHA) bei Kromfohrländern Vorwort: (Erstellt im April 2017) Dieses Merkblatt soll weder Panik verbreiten, noch die Rasse insgesamt krank reden, denn es gibt auch viele Kromfohrländer, die gesund alt werden. Dennoch ist eine Sensibilisierung von Kromfohrländer-Besitzern und Züchtern absolut notwendig, da sich gerade in der letzten Zeit die Meldungen von Kromfohrländern, die im Alter zwischen 5-9 Jahren an autoimmunhämolytischer Anämie (AIHA) erkrankten und im schlimmsten Fall innerhalb von nur 48 Stunden bis 7 Tagen daran verstarben, häuften. Leider werden viele Kromi-Besitzer von dieser Krankheit eiskalt erwischt und regelrecht überrollt, da sie mangels Aufklärung nicht wissen, dass bei den Kromfohrländern eine Rassedisposition für diese Erkrankung besteht und es auch keine Zuchtlinie gibt, die gänzlich frei von diversen Autoimmunerkrankungen ist. Schnelle Hilfe und das Wissen um die Krankheit können bei einer AIHA jedoch definitiv das Leben der betroffenen Hunde retten, denn eine AIHA kündigt sich mitunter Tage oder Wochen vorher schleichend an. Auch gibt es Fälle, in denen bei betroffenen Kromis bereits eine andere AI (z.B. SLE, Myositis, Morbus addison) diagnostiziert worden war und eine AIHA im Laufe der nachfolgenden Jahre oder Monate hinzukommt. Es ist folglich sehr wichtig, genau zu wissen, wie sich eine AIHA bei unseren Kromfohrländern äußert und worauf man seinen Tierarzt bei entsprechenden Symptomen hinweisen sollte. Viele Haustierärzte können die Anzeichen – vor allem dann, wenn sie noch nicht sehr ausgeprägt und diffus sind – nicht immer richtig deuten, da die Kromfohrländer eine recht seltene Rasse sind und vielen Tierärzten deren Rassedisposition für Autoimmunerkrankungen nicht bekannt ist. Dies verwundert jedoch nicht, denn die meisten Züchterseiten beinhalten keinerlei Hinweise auf Krankheiten in der Rasse. Mehrere betroffene Kromi-Besitzer haben jedoch bestätigt, dass genau dieses Wissen und ihre Hinweise auf die AIHA in der Rasse ihren Hunden letzten Endes das Leben gerettet hat, weil die Kromis sehr schnell entsprechend behandelt wurden. Mögliche erste Anzeichen: Die autoimmunhämolytische Anämie kommt oft „wie angeflogen“ und nimmt sehr schnell einen äußerst dramatischen Verlauf. Manchmal macht sich eine AIHA jedoch auch – wie mehrere Kromi-Besitzer übereinstimmend berichteten – bereits einige Wochen oder wenige Tage vorher mit Erbrechen, Durchfällen, Mattigkeit, ausbleibender Läufigkeit oder auch mit unerklärlichen Fellverlusten (außerhalb von saisonalen oder läufigkeitsbedingten Fellwechseln) bemerkbar. Ebenfalls auffällig war bei einigen betroffenen Kromis, dass sie im Vorfeld kalkhaltige Wände annagten bzw. exzessiv an kalkhaltigen Böden leckten und besonders viel Erde fraßen. Erwähnenswert ist auch, dass die ersten Symptome nach körperlichem bzw. psychischem Stress bei den jeweiligen Kromis auftraten. So berichteten 2 Besitzer darüber, dass sie ihren Hund zu einer Urlaubsbetreuung gegeben hatten. Eine weitere Familie befand sich gemeinsam mit ihrem Hund im Urlaub im sonnigen Süden, als die Krankheit ausbrach. Und bei wieder einem anderen Kromi brach die Erkrankung kurz nach einem Skiurlaub im Februar aus, wo sich trotz der Kälte massiver Fellverlust einstellte, bevor die Krankheit kurze Zeit danach Zuhause massiv ausbrach. Auch berichteten einige Kromi-Besitzer davon, dass sich ihre Hündinnen nach einem Wurf nicht mehr richtig erholten und wenige Wochen nach der Trächtigkeit an einer AIHA erkrankten. Die vorgenannten Beobachtungen stimmen mit Erkenntnissen überein, wonach eine in dem Hund schlummernde Veranlagung zur AI durch Stress (positivem wie auch negativem) ausgelöst werden kann. Außer den vorgenannten Faktoren können dies auch Impfungen, Narkosen, Kastrationen oder sonstige chemische Belastungen durch Wurmkuren und Spot-on-Lotionen sein. Also quasi alles, wogegen sich ein (erb)gesunder Organismus in aller Regel wehren kann. Je älter der Hund wird, desto öfter wird er solchen Faktoren ausgesetzt und die AI entsprechend „getriggert“ – sprich angestoßen bzw. ausgelöst. Wichtig: Die vorgenannten möglichen ersten Anzeichen sind nicht klassisch für AIHA und können auch einen ganz harmlosen Grund haben. Erde-Fressen steht z.B. häufig im Zusammenhang mit einer Magenübersäuerung und kommt bei Hunden oft vor, genauso wie Erbrechen und Durchfall in den meisten Fällen noch kein Grund zur großen Beunruhigung sind. Jedoch sollten diese Anzeichen, vor allem wenn auch bereits Geschwister- oder Elterntiere erkrankt sind, nicht ignoriert werden und im Zweifelsfall gibt ein großes Blutbild Auskunft darüber, ob ein größeres Problem vorliegt. Das Blutbild gibt vor allem auch Aufschluss darüber, ob der „Hämatokrit-Wert“ des Hundes, der zwischen 44 und 52 liegen sollte, in Ordnung ist. Also lieber ein Blutbild zu viel als eines zu wenig machen, denn ein Blutbild gibt auch über viele andere mögliche Erkrankungen und Mangelzustände Auskunft. Klassische Anzeichen einer AIHA beim Hund: Die klassischen Symptome einer autoimmunhämolyischen Anämie sind die folgenden: • blasse, fast porzellanweiße Schleimhäute • Mattigkeit • Apathie • Fressunlust • Durchfall / Erbrechen • Zerstörung der roten Blutkörperchen (nachweisbar durch Blutuntersuchung) ==> sehr niedriger Hämatokrit-Wert!!! (s.o.) • ggfs. auch Untertemperatur Spätestens bei diesen Anzeichen sollten Sie mit ihrem Hund schnellstens in eine Tierklinik fahren!!!! Bitte sprechen Sie die Tierärzte dort auf jeden Fall auf die Rassedisposition zur AIHA an, denn die Tierärzte werden auch das Vorliegen von Infektionskrankheiten (z.B. Anaplasmose, Mittelmeerkrankheiten) oder Vergiftungen mit abklären. Je frühzeitiger in die richtige Richtung behandelt wird, desto besser. Die schnelle Gabe von hochdosiertem Cortison und auch Bluttransfusionen können bei AIHA – gerade in den Fällen, bei denen der Hämatokrit-Wert bereits stark abgesunken ist – lebensrettend sein. Besonders lebensbedrohlich sind Hämatokrit-Werte unter 15. Der niedrigste mir bekannte Hämatokrit-Wert, bei denen Kromis gerettet werden konnten, liegt bei 9. Allerdings ist auch dieser Wert schon sehr, sehr kritisch. Eine Hündin, die kürzlich einen Hämatokrit-Wert von nur noch 8 hatte, als sie in die Klinik eingeliefert wurde, ist leider nach nur 6 Tagen intensivmedizinischer Behandlung und mehreren Bluttransfusionen gestorben. Besonders dramatisch an diesem Fall war, dass bereits seit mehreren Monaten ein Bruder und auch Halbgeschwister dieser Hündin an (anderen) Autoimmunerkrankungen erkrankt waren. Den Besitzern war jedoch weder die Rassedisposition bekannt noch hatten sie bis dahin von den erkrankten Geschwistertieren und dem zwischenzeitlich erkrankten Muttertier erfahren, so dass zu Beginn der Erkrankung wertvolle Zeit verloren wurde. Verdachtsdiagnosen: Anämien treten auch im Zusammenhang mit Vergiftungen, inneren Blutungen und Infektionskrankheiten auf. Vielfach wird auch in diese Richtung untersucht. Leider kann man dadurch jedoch auch wichtige Zeit verlieren, so dass es wichtig ist, die Tierärzte auf die Rassedisposition für AIHA und auch für Thrombozytopenie, die in einigen Fällen gleichzeitig vorliegt (Evans-Syndrom), hinzuweisen. Gerade kürzlich ist ein 9jähriger kastrierter Kromfohrländer-Rüde gestorben, bei dem gleichzeitig eine Thrombozytopenie und eine AIHA vorlagen. Er war bis zu diesem Zeitpunkt immer gesund, bis er dann im Oktober 2016 aus dem Maul blutete und Einblutungen / Blutergüsse unter der Haut am Bauch sichtbar waren. Bei der anschließenden tierärztlichen Untersuchung waren keine Thrombozyten mehr nachweisbar; der Hämatokrit lag bei nur noch 16. In der Tierklinik wurden die Verdachtsdiagnosen Vergiftung und Milztumor gestellt. Beide Verdachtsdiagnosen bestätigten sich jedoch nicht und es wurde die AI diagnostiziert. Der Rüde bekam eine Bluttransfusion. Leider kamen weitere Blutungen im Bauchraum hinzu, so dass er letzten Endes eingeschläfert werden musste. Er verstarb innerhalb von nur 48 Stunden. Tests auf AIHA: Bei Verdacht auf AIHA werden i.d.R. der Coombs-Test und / oder der ANA-Test durchgeführt. Fallen diese Tests positiv aus, kann ein autoimmuner Grund für die Anämie nachgewiesen werden. Die Diagnose lautet dann autoimmunhämolytische Anämie. Der Nachweis einer autoimmunhämolytischen Anämie über den Coombs- oder ANA-Test gelingt allerdings nicht immer. Wird jedoch keine andere Ursache für die Anämie gefunden, sollte man das Vorliegen einer autoimmunhämolytischen Anämie nicht zuletzt auch wegen der Rassedisposition in Betracht ziehen. Die autoimmunhämolytische Anämie nimmt sehr schnell einen dramatischen Verlauf. Kurz zuvor scheinbar gesunde Hunde bauen innerhalb weniger Stunden sichtbar ab, bis sie sich kaum noch auf den Beinen halten können. Hier ist schnelle Hilfe dringend erforderlich. Eine schnelle richtige Diagnose und entsprechende Behandlung können daher, wie oben ausgeführt, lebensrettend sein. Die Therapie bei einer AIHA: Die richtige Therapie muss unbedingt durch versierte Tierärzte bzw. eine Tierklinik erstellt werden, so dass ich diesbezüglich keine Ratschläge geben kann und möchte. I.d.R. bekommen die Hunde hochdosiertes Cortison. Teilweise werden auch noch Immunsuppressiva wie Azathriopin / Cyclosporin gegeben. Allerdings braucht das Cyclosporin ca. 1 Woche, bevor es richtig anschlägt, während das Cortison etwas schneller wirkt. Sehr schnell soll auch Mycophenolat wirken. Allerdings hat dies bei der vorgenannten Kromi-Hündin, die mit einem Hämatokritwert von nur 8 in die Tierklinik kam, nicht angeschlagen. Da Cortison vielfach zu Problemen im Verdauungstrakt (Magenblutungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen etc.) führen kann, ist es ratsam, dass ein Magenschutz gegeben wird. Von den Kromfohrländern wird in der Regel das Magenschutzmedikament Omeprazol sehr gut vertragen. Auch dies sollte man mit seinem Tierarzt besprechen. Wichtig ist, dass der eigene Körper des Hundes im Rückenmark Blutkörperchen zu bilden beginnt, ohne dass diese direkt wieder durch die Autoimmunerkrankung zerstört werden. Bitte informieren Sie bei einer Erkrankung Ihres Kromfohrländers unbedingt auch Ihren Zuchtverein und Ihren Züchter bzw. die Besitzer von Geschwistertieren, zu denen Sie noch Kontakt haben. Unter der E-Mail-Adresse familienkromi@web.de helfen auch wir gerne weiter und sind dankbar für Informationen zu erkrankten Kromfohrländern. Zum Weiterlesen: Gute wissenschaftliche Informationen zur AIHA bekommt man auf dieser Homepage: https://www.thieme.de/de/tiermedizin/immunbedingte-haemolytische- anaemie-70718.htm Ein informatives Krankentagebuch des Kromfohrländer Andro (Andor von den Lahberger Weegen) ist an dieser Stelle zu finden: http://www.kromfohrlaender- andro.de/resources/Krankentagebuch+von+Andro+aktuell_bis+120902.pdf Auch auf unserer Familienkromi-Homepage sind sehr viele Informationen zum Thema Autoimmunerkrankungen auf den Unterseiten „Rund um die Gesundheit“ und „Autoimmunerkrankungen“ zu finden. Für den Austausch mit anderen Besitzern AI-kranker Hunde steht unter dem Link http://www.carookee.de/forum/autoimmun unser nicht öffentliches AI-Forum zur Verfügung. Speziell für Kromi-Besitzer gibt es dann auch noch unser Kromfohrländer-Forum. Unser Wunsch: • Ein offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema AI. Dazu gehört auch, Welpenkäufer zu informieren, wenn ein Geschwister- oder Elterntier irgendwann an AI erkranken sollte oder bereits erkrankt ist. • Ein behutsames Aufklären von Interessenten, Kromi-Besitzern und angehenden Züchtern in Bezug auf AIHA, ohne Panik zu schüren. • Ein vereinsübergreifendes Veröffentlichen dieses Merkblattes auf möglichst vielen Kromi-Homepages ist ausdrücklich erlaubt und wünschenswert. Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter ==> familienkromi@web.de © http://www.familienkromi-kromfohrlaender.de